Schein oder Sein

Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts

30. März 2018 — 8. September 2019

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Hoftheater nach und nach durch Stadttheater ersetzt. Dem Aufstieg des bürgerlichen Theaters stand die zunehmende Theatralisierung des bürgerlichen Alltags gegenüber.

Aus dem festen Gefüge der alten Ständeordnung entlassen, war der Bürger nun darauf verwiesen, zum Darsteller seiner selbst zu werden. Seine innovativen Leistungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft musste der Bürger nicht nur erbringen. Sie mussten in Konkurrenz zu vielen anderen, ebenfalls fleißigen Individuen gebührend in Szene gesetzt werden. Die Theatralisierung des bürgerlichen Lebens verwandelte viele Alltagsräume in Bühnen. Die gute Stube wurde zum Salon, in dem Gäste und Gastgeber ihre Auftritte inszenierten. Plötzlich umgab sich der Bürger nicht mehr mit seinen Möbeln für den Gebrauchszweck, sondern mit aufwändigen Miniarchitekturen. Im damals neuen Fotoatelier trat die ganze Familie sonntags vor dem Maschinenauge der Kamera auf. Malerei und Karikatur zeigten die Spannung von alltäglicher Realität und dramatischer Fiktion, wirkungsvoll in den Gemälden von Carl Gehrts (1853–1898), spöttisch in den Theater-Lithografien von Honoré Daumier (1808–1879).

Die Ausstellung thematisiert die Kunst und Technik des eindrucksvollen Auftritts im 19. Jahrhundert. Zu sehen sind historische Bühnenentwürfe und -requisiten, architektonische Modelle exemplarischer Theaterbauten, künstlerische und alltagspraktische Produkte der neuen Kulturtechnik der Selbstinszenierung sowie zeittypische Atelierfotografien, auf denen manchmal nicht zu unterscheiden ist, ob es sich um einen Schauspieler in seiner Bühnenrolle oder um einen Bürger in seiner Alltagsrolle vor der Kamera handelt. Der leistungsstarke Performer in der Firma, der Selfie-Poser von heute – sie nehmen ihren Anfang im historischen Übergang vom Hof- zum Stadttheater.

Photoatelier E. Lange
Carte-de-visite, um 1865

Emil Bieber (1878–1962)
Adalbert Matkowsky (1858–1903) als Hamlet in William Shakespeares Hamlet, um 1900

Georg E. Hansen (1833–1891)
Carte-de-visite, o. J.

Unbekannter Fotograf
Adelina Patti (1843–1919) als Juliette in Charles Gounods Roméo et Juliette, 1849

Carl Teufel (1845–1912)
Künstleratelier von Gustav Krausche (1850–1917), um 1890

Carl Teufel (1845–1912)
Künstleratelier von Franz von Lenbach (1836–1904), o. J.

Anton Radl (1874–1852) nach Giorgio Fuentes (1756–1821)
Bühnendekoration der Oper Palmira, Prinzessin von Persien, um 1810

Anselm Feuerbach (1829–1880)
Romeo und Julia, 1864

Honoré Daumier (1808–1879)
Betörend und jung bricht er alle Herzen; Göttlich ist er, nicht fühlend der Liebe Schmerzen, 1839

Honoré Daumier (1808–1879)
Monsieur Colimard, wenn Sie nicht aufhören, die Tänzerinnen in so unverschämter Art zu beäugen, gehen wir vor Schluss des Stückes nach Hause, 1864

Carl Gehrts (1853–1898)
Minnesänger in einer bürgerlichen Familie, Der Hofnarr, 1878

Programm

Derzeit finden im Museum Führungen und Veranstaltungen für Kinder statt.

Jeden Sonntag um 15 Uhr können Sie an der öffentlichen Führung durch unsere Jubiläums-Ausstellung »Schein oder Sein. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts« teilnehmen.

Info
Die Kosten belaufen sich auf 2 € zzgl. Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Dauer: 15–16 Uhr

Wir begeben uns auf die Spuren der verschiedenen Rollen im Theater und fragen uns: Wer wäre ich gerne? Auf der Bühne oder im Alltag? Aus Stoffen, Folien, Papier und vielem mehr nähen und kleben wir unsere Traumkostüme – Hüte, Kleider oder auch nur eine Maske.

Info
Die Veranstaltung ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Die Kosten belaufen sich auf 5 € pro Kind. Für Kinder mit dem Familienpass ist die Teilnahme kostenlos. Anmeldung bitte per E-Mail oder telefonisch unter 07221/500796-32 (Di–Do, 9–12 Uhr).
Dauer: 11–13 Uhr

Unsere Handpuppe Friederike geht mit Euch auf Entdeckungsreise durch die Ausstellung. Sie erzählt viel von ihren Abenteuern auf der Theaterbühne und im Alltag. Sie taucht mit Euch ein in die vielen Geschichten, die sich hinter den Kulissen abspielen und fragt nach Euren Lieblingsverkleidungen. Friederike stellt berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler vor und entdeckt zusammen mit Euch spannende Theaterstücke. Gemeinsam betrachtet Ihr aufmerksam die Bühnenmodelle, die Kostüme und Porträts der Akteure in ihren Rollen.

Info
Die Kosten belaufen sich auf 2 € zzgl. Eintritt.
Dauer: 14–15 Uhr

Jeden Sonntag um 15 Uhr können Sie an der öffentlichen Führung durch unsere Jubiläums-Ausstellung »Schein oder Sein. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts« teilnehmen.

Info
Die Kosten belaufen sich auf 2 € zzgl. Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Dauer: 15–16 Uhr

In der Ausstellung sind zahlreiche Bürger zu sehen, die in verschiedene Rollen schlüpfen und sich fotografieren oder malen lassen. Wie würdest Du Dich zeichnen oder malen? Auf Leinwand oder großformatigem Papier kannst Du Dich in Deiner Traumrolle darstellen.

Info
Die Veranstaltung ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Die Kosten belaufen sich auf 5 € pro Kind. Für Kinder mit dem Familienpass ist die Teilnahme kostenlos. Anmeldung bitte per E-Mail oder telefonisch unter 07221/500796-32 (Di–Do, 9–12 Uhr).
Dauer: 11–13 Uhr

Diesen Sonntag um 15 Uhr können Sie das letzte Mal, vor dem Umbau zur nachfolgenden Ausstellung, an der öffentlichen Führung durch unsere Jubiläums-Ausstellung »Schein oder Sein. Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts« teilnehmen.

Info
Die Kosten belaufen sich auf 2 € zzgl. Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Dauer: 15–16 Uhr

Wir befinden uns mitten im Umbau zur nächsten Ausstellung, d. h. wir können diese zwar noch nicht sehen, aber werfen einen Blick hinter die Kulissen. Dabei verraten wir Euch, was demnächst im Museum zu sehen sein wird! Unter dem Motto »Was fliegt denn da?« gestalten wir wilde Flugobjekte und denken über den großen Traum vom Fliegen nach.

Info
Die Veranstaltung ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Die Kosten belaufen sich auf 5 € pro Kind. Für Kinder mit dem Familienpass ist die Teilnahme kostenlos.
Dauer: 12–14 Uhr

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Katalog

Unseren Ausstellungskatalog können Sie im Museumsshop erwerben.

Besuch

Museum LA8
Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

Lichtentaler Allee 8
76530 Baden-Baden

07221/500796-0
info@museum.la8.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Wir öffnen an allen Feiertagen, auch montags.
Ausgenommen sind der 24. Dezember und 31. Dezember.

Anfahrt

Parkplätze stehen Ihnen in den zahlreichen Parkhäusern Baden-Badens zur Verfügung, z. B. Parkgarage Kongress am Augustaplatz, Parkhaus City an der Lichtentaler Straße oder Parkgarage Kurhaus Casino.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie uns vom Bahnhof Baden-Baden mit den Buslinien 201 oder 216, Haltestelle Museum LA8, direkt vor der Museums-Einfahrt.

Eintrittspreise

Erwachsene 7 €
Ermäßigter Eintritt (mit Nachweis)
Studentinnen und Studenten, Zivildienstleistende, ALG-Berechtigte, Schwerbehinderte, Auszubildende, Inhaberinnen und Inhaber der SWR2 Kulturkarte
5 €
Kinder (bis 12 Jahre) frei
Jugendliche (13 bis 18 Jahre) 3 €
Familien 11 €
Schulklassen
(max. 25 Personen, inkl. 2 Begleitpersonen)
Inklusive Führung
20 €
Gruppen (ab 15 Personen) 6 € pro Person
Inhaberinnen & Inhaber des Museums-PASS-Musées
Mitglieder des Deutschen Museumsbundes
Mitglieder des ICOM
frei

Führungen

Öffentliche Führung
Sonntag, 15 Uhr
2 €
zzgl. Eintritt
Familienführung
Jeden 1. Sonntag im Monat, 14 Uhr
2 €
zzgl. Eintritt
Gruppenführungen (max. 25 Personen) 75 €
zzgl. Eintritt

Wir bieten individuelle Führungen zu unserer Ausstellung für Gruppen, Kinder, Jugendliche und Schulklassen an sowie fremdsprachige Führungen auf Englisch und Französisch. Für Rückfragen und Beratung melden Sie sich bei uns.

Audioguides

Mit unseren kostenfreien Audioguides in Deutsch, Englisch oder Französisch können Sie die Inhalte unserer Ausstellungen noch weiter vertiefen.

Barrierefreiheit

Das Museum ist barrierefrei zugänglich. Der Museumseingang ist ebenerdig und stufenlos, alle Ausstellungsebenen sind über einen Fahrstuhl problemlos zu erreichen. Ein behindertengerechtes WC befindet sich im Untergeschoss und ist ebenfalls mit dem Fahrstuhl zugänglich. Zudem stehen Faltstühle zu Ihrer Verfügung.
Beim Zugang zur Garderobe und zu den Schließfächern sind wir gerne behilflich.

Shop

Vor Ort können Sie in unserem Museumsshop die begleitenden Kataloge der bisherigen Ausstellungen erwerben.

Gastronomie

Teil des Kulturhauses LA8 ist das Restaurant Rive Gauche Brasserie. Nutzen Sie die Zeit vor oder nach Ihrem Ausstellungsbesuch zur Stärkung im Restaurant am linken Ufer der Oos. Es bietet Mittwoch bis Sonntag eine junge, moderne französische Küche mit Front Cooking in unkonventionellem Ambiente.

Pressestimmen

Besuchenswert ist die Schau allemal, zumal sie durch eine Reihe von schönen Bühnenmodellen, grandiosen Bildern (wie den köstlichen, bissigen Lithografien von Daumier), Kostümen und einer historischen Windmaschine aus dem Fundus des Baden-Badener Theaters genügend Augenfutter liefert und der Betrachter sich mal vor, mal hinter der Bühne findet und schnell auch mal Teil der Inszenierung wird.

Rüdiger Krohn für BNN, 27. März 2019

Die These der »Theatralisierung des bürgerlichen Lebens« untermauert die Schau mit einer Vielzahl von Exponaten. Ganz nebenbei schreibt sie die Archäologie heutiger Selbstdarstellerbühnen. Etwa des Displays unserer Smartphones, dieser Selfie-Maschine…

Hans-Dieter Fronz für die Badische Zeitung online, 29. März 2019

Wer ist Herr in diesem Haus? Nachhilfestunden für Selbstdarsteller: Früher nahm der Bourgeois Schauspielunterricht. Eine Ausstellung in Baden-Baden erforscht das Verhältnis von Bühne und Bürgertum. Auf zwei Etagen erzählt die Baden-Badener Ausstellung »Schein oder Sein – der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts« übersichtlich und anhand ausgewählter Bilder und Objekte von einer identitären Umbruchszeit.

Simon Strauß für die FAZ, 9.4.2019